Zigtausende Oppositionelle stürmen die Straßen in Venezuela

26 10 Caracas

Zu Tausenden sind Oppositionelle zur Demonstration in die Hauptstadt Caracas geströmt (Foto: Rayner Peña)

Caracas, 26. Oktober 2016 – Zigtausende Bürger sind am Mittwoch in Venezuela dem Aufruf der Opposition zum „Sturm auf Venezuela“ gefolgt. Menschenmassen strömten aus allen Landesteilen in die Hauptstadt Caracas, um den Rücktritt von Präsident Nicolás Maduro zu fordern. Die Demonstranten gelangten unbehelligt von der Polizei bist fast ins Zentrum. Hier sind sie von Spezialeinheiten aufgehalten worden.

An der Autobahn Francisco Guajardo in Höhe der Plaza Venezuela ließen Polizisten die Demonstranten durch und begleiteten den Zug. In der Nähe des Zentrums stießen sie jedoch auf Barrieren und Spezialeinheiten der Guardia Nacional, die eine Mauer gegen die Menschenmasse bildeten, wie in einem über Facebook übertragenen Live-Bericht des TV-Kanals NTN24 zu sehen ist. Nur wenige Demonstranten versuchten zuvor, von einem Grünstreifen aus Feuerwerksraketen auf Beamte zu werfen.

Gekleidet mit weißen Hemden oder Blusen und mit Mützen in den Nationalfarben gelb, blau und rot, schwangen Demonstranten die Flagge Venezuelas, viele trugen Spruchbänder mit Anti-Maduro-Parolen wie “Maduro muss weg”. „Sí se puede, sí se puede“ („Doch, es geht“) skandierten sie, dazwischen Hochrufe auf Venezuela und laute Tröten und Trillerpfeifen.

“Wir wollen, dass Maduro geht. Das kann doch nicht sein, dass unsere Kinder so leiden müssen“, sagte eine Mutter von zwei kleinen Kindern der Nachrichtenagentur AP. In Venezuela müssen die Menschen lange Schlange stehen, um überhaupt Medikamente und Artikel des täglichen Bedarfs zu bekommen. „Wir werden so weit marschieren, wie es nötig ist. Wir wollen eine Wende“, fügte die Frau unter Tränen hinzu.

Ungewöhnliche Worte sind vom Mittwoch vom Präsident selbst gekommen. Statt wie sonst zu drohen, forderte er die Opposition nachdrücklich zum politischen Dialog auf. Ein Treffen ist für kommenden Sonntag auf der Insel Margarita geplant. Dieses hat der von Papst Franziskus entsandte Monsignore Emil Paul Tscherrig zuvor mit Unterstützung der Vereinigung der Südamerikanischen Staaten Unasur sowie den Expräsidenten der Dominikanischen Republik, Leonel Fernández, und von Panama, Martín Torrijos, sowie dem spanischen Staatschef José Luis Zapatero ausgehandelt.

Die Allianz der Demokratischen Einheit (MUD, Mesa de la Unidad Democrática) werde nicht an dem Treffen teilnehmen, kündigte am Mittwoch Oppositionsführer und zweimaliger Präsidentschaftskandidat Henrique Capriles an. Er führte eines der Demonstranten-Kontingente an. Die Führer der Opposition hegen Zweifel an dem Treffen, vom dem sie nur über das Fernsehen erfahren hätte, sagte Capriles.

Anlass für den Aufruf zum „Sturm auf Venezuela“ ist die Verschiebung des von der demokratischen Mehrheit im Parlament beschlossenen Referendums zur Absetzung von Maduro. Vergangene Woche verfügte die von Regierungstreuen beherrschte Nationale Wahlbehörde, dass das Referendum erst noch den Rat der Moral der Republik und das Oberste Gericht passieren müsse, die auch von Regierungstreuen dominiert werden. Damit kann die Volksbefragung nicht mehr rechtzeitig noch vor dem 10. Januar 2017 durchgeführt werden. Findet das Referendum später statt, ist die Macht der Sozialisten selbst im Fall einer Niederlage gesichert.

Am Dienstag entschied das von der Opposition dominierte Parlament in einer stürmischen Sitzung dann, Maduro einen politischen Prozess zu machen und rief die Menschen dazu auf, ihr Land „im Sturm zu nehmen“. (dmz/hl/sw)

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