Flugzeug-Katastrophe in Kolumbien: Der Treibstoff ging aus


01 12 Flugzeugabsturz Kolumbien kl

 

Eines der letzten Fotos des AF Chapecoense, das die Mannschaft kurz vor dem Abflug noch twitterte (Foto: Twitter)

Bogotá, 1. Dezember 2016 – Ein Flugzeug stürzt ab, weil ihm der Sprit ausging. Eigentlich dürfte so etwas nie passieren. Und doch genau das ist der Grund, weshalb die Chartermaschine der Lamia mit fast einer gesamten Fußballmannschaft und 20 Journalisten an Bord kurz vor dem Ziel am Montagabend bei Medellín in Kolumbien auf einen Berg. 71 Menschen fanden dabei den Tod. Sechs Insassen überlebten. 

Am Donnerstag bestätigten die kolumbianischen Behörden die Absturzursache. Schon die verzweifelten Funksprüche aus dem Cockpit kurz vor dem Aufprall, die am Tag nach dem Unglück von einer lokalen Radiostation verbreitet wurden, deuteten darauf hin. Offiziell wurde sie jedoch erst an diesem Donnerstag bestätigt. Das Unglück wiegt umso schwerer, als es hätte vermieden werden können. Und Schuld trifft allem Anschein nach den 1. Kapitän der Maschine.

Bei dem Unglück kamen 71 Menschen ums Leben, darunter 19 Spieler des brasilianischen Fußballklubs AF Chapecoense sowie Begleiter des Vereins, 20 mitreisende Journalisten und acht der neun Besatzungsmitglieder. Unter den Überlebenden sind drei schwerverletzte Fußballspieler, eine Stewardess und der Bordtechniker.

“Lamia 2933 hat einen Totalausfall, Totalausfall der Elektronik, kein Treibstoff", sagte einer der Piloten, Miguel Quiroga, in dem zwölfminütigen Mitschnitt des Funkverkehrs zwischen ihm und dem Kontrollturm des Flughafens Medellín. Kurz danach war die Maschine vom Radar verschwunden.

Dem vierstrahligen Charterflugzeug vom Typ Avro RJ85, das im Südosten Boliviens gestartet war, fehlten nur noch wenige Minuten bis zum Ziel, als es über dem Berg Cerro Gordo abstürzte und in drei Teile zerbrach. Eine Explosion gab es nicht – deshalb mutmaßten Experten schon kurz nach dem Unglück, dass Spritmangel die Ursache gewesen sein könnte. Die Maschine der bolivianischen Chartergesellschaft Lamia, die schon mehrfach für Fußballclubs geflogen war, hatte eine Reichweite von 2600 Kilometern. Die Entfernung zwischen dem Startflughafen Santa Cruz und dem Zielflughafen Medellín beträgt 2450 Kilometer. Nach Angaben eines Lamia-Sprechers sollte der Pilot in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá zwischenlanden und tanken - dieser sei jedoch der Meinung gewesen, dies sei nicht nötig.

Der Funkverkehr zwischen dem Kapitän und der Fluglotsin im Tower des Flughafens von Medellín ist ein ergreifendes Protokoll der sich anbahnenden Katastrophe: Kurz vor dem Landeanflug auf Medellín wurden die Piloten angewiesen, Warteschleifen zu fliegen, weil ein anderes Flugzeug wegen technischer Probleme die bevorzugte Landeerlaubnis erhalten hatte.

Im Laufe des Funkverkehrs werden die Durchsagen des Piloten immer dringlicher:  „Wir brauchen Priorität bei der Landung, uns wird ein Treibstoffproblem angezeigt.“   Das Flugzeug verliert an Höhe.  Schließlich der Notruf, dass der Treibstoff ausgegangen und der gesamte Strom ausgefallen sei. Es fehlen zu dem Zeitpunkt nur noch 15 Kilometer bis zur Landebahn. Auf dieFragen der Fluglotsin „Welche Höhe jetzt?“ und „Welche Position Lamia 2933?“ kommt aus dem Cockpit keine Antwort mehr. Nach Angaben der überlebenden Flugbegleiterin fiel das Licht eine Minute vor dem Absturz aus.

Der Club AF Chapecoense hatte eine bewundernswerte Aufstiegsgeschichte hinter sich. Seine Spieler waren am Montag auf dem Weg zum wichtigsten Spiel ihrer Vereinsgeschichte: Im Finale des Südamerika-Cups sollte es gegen den Medellíner Fußballverein Atlético Nacional gehen. Das Finale wird nie stattfinden. Atlético Nacional schlug vor, dem AF Chapecoense den Titel der Copa Sudamericana zu überlassen.

In der brasilianischen Bundesliga sollte am 4. Dezember das letzte Heimspiel des AF Chapecoense ausgetragen werden. Der brasilianische Fußballverband sprach sich dafür aus, es eine Woche später nachzuholen – mit den restlichen Spielern und Jugendspielern.

Die ganze Stadt Chapecó schwebt seit der Katastrophe im Schockzustand. Am Mittwochabend wurde im Vereinsstadion eine Gedenkfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes abgehalten, am Wochenende ist eine Trauerfeier geplant, zu der 100.000 Menschen erwartet werden. Brasiliens Präsident Michel Temer ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Zur Ursache des Flugzeugabsturzes sagt Michael Strohal vom Institut für Flugsysteme an der Universität der Bundeswehr München: „So etwas kann eigentlich nur passieren, wenn der Pilot nicht das fliegt, was er ursprünglich geplant hat, oder eben keine Flugvorbereitung gemacht hat“.  Jede Flugvorbereitung schließe eine Sprit-Reserveplanung ein – diese haben die Piloten der Unglücksmaschine wohl nicht ernst genug genommen. (dmz/sw/hl)

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