Mit anpacken für den Frieden: Steinmeier eröffnet Friedensinstitut in Kolumbien

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Steinmeier eröffnet das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut in Bogotá (Foto: © Photothek / Gottschalk)

Bogotá, 14. Januar 2017 – Kolumbien ist nach mehr als 50 Jahren des bewaffneten Konflikts dem Frieden ein großes Stück nähergekommen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat am Freitag das südamerikanische Land besucht, um die deutsche Unterstützung im Friedensprozess weiter auszubauen. Dabei hat er das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut eröffnet und eine Entwaffnungszone im Konfliktgebiet besichtigt.

Nachdem der erste Friedensvertrag zwischen Regierung und der FARC-Guerilla in einem Referendum abgelehnt worden war, wurde im vergangenen November das überarbeitete Abkommen unterzeichnet. Allerdings sei es nach einem so langen Konflikt alles andere als einfach, die Kämpfer zu entwaffnen und in die politischen Institutionen des Landes zu integrieren und schnell in allen ehemals umkämpften Gebieten staatliche Ordnung herzustellen, erklärte der deutsche Außenminister. Auch die Vergangenheitsbewältigung sei eine wichtige und große Herausforderung. Deutschland hilft bei deren Bewältigung mit dem Deutsch-Kolumbianischen Friedeninstitut (DFKI), das seit Oktober vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aufgebaut wird und am Freitag vom deutschen Außenminister eingeweiht wurde.

"Kolumbien sendet mit diesem Friedensschluss ein Signal aus an andere schier unlösbare Konflikte: Frieden ist möglich!“, sagte Außenminister Steinmeier bei der Auftaktveranstaltung am Freitag, die unter dem Motto stand "Wer Frieden will, braucht Mut". Frieden sei möglich, betonte der Außenminister, „wenn Bereitschaft, Mut und Geduld für beharrliches, hartnäckiges und auch hartes Verhandeln" und die Bereitschaft bestünden, dabei Zugeständnisse zu machen und hart an die Grenzen des jeweils Akzeptablen gehen.  

Für die Umsetzung des Abkommens sind zehn Jahre vorgesehen, erklärte Camilo Borrero, Professor für Rechtswissenschaften an der Universidad Nacional in Bogotá, dem Portal deutschland.de. „Doch die ersten zwei Jahre sind entscheidend, um in zentralen Punkten wie einer gerechteren Landverteilung und ländlicher Entwicklung voranzukommen.“ Zunächst zehn Universitäten, je fünf aus beiden Ländern, werden dabei zusammenarbeiten, heißt es dazu weiter auf deutschland.de.

Das Institut hat demnach drei Aufgaben: zum einen die Friedens- und Konfliktforschung mit Schwerpunkten auf Sozial- und Rechtswissenschaft. Hinzu kämen binationale Programme für Masterstudierende und Doktoranden. Außerdem werde das Institut jene beraten, die das Abkommen mit der FARC in konkrete Politik umsetzen sollen.

Das Abkommen zwischen Regierung und FARC „steht und fällt in den Regionen“, räumt Rechtsprofessor Borrero ein, der Struktur und Programm der binationalen Forschungs- und Beratungseinrichtung mit entwickelt. Geplant sei darum, in fünf besonders stark vom Konflikt betroffenen Gegenden Master- und Doktorprogramme oder Workshops anzubieten.

Auf deutscher Seite gestaltet ein Konsortium unter Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen den Aufbau des Instituts. Die fünf kolumbianischen Partnerhochschulen arbeiteten bereits seit zwei Jahren in einer „Allianz für den Frieden“ zusammen, die von der Nationalen Universität koordiniert würden.

 „Solch ein Institut existiert bisher nicht in Kolumbien“, betonte der Sonderbeauftragte des deutschen Außenministeriums für den Friedensprozess, Tom Koenigs, dessen Bedeutung. Die deutschen Forscher könnten ihre kolumbianischen Kollegen unter anderem mit ihrem Wissen zur Übergangsjustiz unterstützen. Umgekehrt könne sich auch Deutschland bei Kolumbien einiges abschauen. „Dieses Beispiel langwieriger, erfolgreicher Verhandlungen ist besonders wertvoll in einer Zeit, in der wir es mit vielen sich verstärkenden Krisen oder ‚frozen conflicts‘ zu tun haben“, hebt DAAD-Vizepräsident Joybrato Mukherjee auf deutschland.de hervor.

Der Bundesaußenminister traf sich während seines Besuchs auch zu politischen Gesprächen mit seiner Amtskollegin María Ángela Holguín und Staatspräsident Juan Manuel Santos. Außerdem besuchte er die Entwaffnungszone.  (dmz/hl) 

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