Las Posadas: Die Weihnachtsgeschichte auf mexikanische Art

 

Blick auf die Posada-Feier an der Kirche Santo Domingo in Tepoztlán (Fotos: Daniel Schlicht)

Von Daniel Schlicht

Tepoztlán, 21. Dezember 2014 – Während in deutschen Landen „Stille Nacht, Heilige Nacht“ durch die kaminwarmen Wohnzimmer tönt, bricht beim Mexikaner der Fiesta-Modus aus. Ruhe? Besinnlichkeit? Hossa! Bis Heiligabend werden hier allabendlich die Posadas gefeiert. Ein Einblick in einen typisch mexikanischen Weihnachtsbrauch.

Weihnachtszeit, oh, du besinnliche Zeit. Bringst uns Plätzchen, Lebkuchen, Tannenduft, Kerzenschein und vor allem eines: Ruhe und innere Einkehr.

Wer dieser Tage aus europäischen Breitengraden nach Mexiko kommt, wird in seinen weihnachtlichen Grundfesten erschüttert. Während in deutschen Landen „Stille Nacht, Heilige Nacht“ sanft durch die kaminwarmen Wohnzimmer tönt, bricht beim Mexikaner der Fiesta-Modus aus. Ruhe? Besinnlichkeit? Hossa!

Ab dem 16. Dezember jeden Jahres beginnen in Mexiko nämlich die Posadas (zu deutsch Herbergen), jene vorweihnachtlichen Zeremonien, mit denen symbolisch der Herbergssuche von Maria und Josef still gedacht, perdón, zu deren Ehren ausgelassen gefeiert wird. Diese laufen ganz so ab wie ihr historisches Vorbild: Die Teilnehmer verkleiden sich häufig wie zu biblischer Zeit, teils mit Esel und Karren, und schreiten zur Abendstunde Tür zu Tür in der Nachbarschaft ab, um um eine Unterkunft zu bitten.

Natürlich wird dabei auch lautstark gesungen. „En el nombre del cielo os pido posada pues no puede andar mi esposa amad“a (Im Namen des Himmels bitte ich um Herberge, denn meine geliebte Frau kann nicht mehr laufen), beginnt die traditionelle Litanei der Bittsteller vor der Tür. Doch von den Gastwirten bekommen sie bloß etwas zu hören wie: No me importa el nombre, déjenme dormir, pues que yo les digo que no hemos de abrir (Mich interessieren keine Namen, lass mich schlafen, wie ich schon gesagt habe, werden wir nicht öffnen).

Wie es für die Weihnachtsgeschichte gehört, hat ein wohlgesonnener Nachbar oder Verwandter schließlich Erbarmen und empfängt die Gesellschaft in seinem Hause, wo bereits Freunde oder Familienangehörige warten. Traditionell werden dann buñuelos (süsse in Öl hartgebackene Pfannkuchen) und ponche (Punsch) kredenzt, manchmal ebenfalls ein richtiges Abendessen mit traditionellen Speisen und Cervezas (Bier).

Vielerorts führen die Posadas auch zu einer der festlich geschmückten Kirche, wo sich dann das halbe Dorf trifft. Vor allem für die Kinder beginnt dann erst der beste Teil von allem: Das Zerschlagen der Piñatas! Dabei handelt es sich um aus Pappe oder Ton gefertigte bunte Sterne, die in der Regel sieben Zacken haben – ein Symbol für die sieben Todsünden. Die Piñata wird an einem Seil aufgehängt und dann von einem Erwachsenen in der Luft umhergezogen.

Der Reihe nach versuchen die Kleinen nun, die Piñata mit einem Stock zu zerschlagen. Die Größeren bekommen zusätzlich die Augen verbunden, während die herumstehenden Kinder ungeduldig zurufen, wo denn die begehrte Trophäe gerade hängt. Der Blick in die leuchtenden Augen der Kleinen weckt Erinnerungen an den Moment, wo man beim Topfschlagen mit dem Löffel immer wieder ganz knapp am Blech vorbeischlägt  – und kurz möchte man noch einmal Kind sein. Ist die Piñata endlich zerbrochen, gibt sie den begehrten Schatz Preis: Mandarinen, Orangen, Schokolade, Bonbons und kleine Spielzeuge purzeln dann auf den Boden, auf den sich alle lautstark stürzen.

Die Tradition der Posadas reicht zurück bis in die Zeit der spanischen Kolonie. Um Ureinwohner in Amerika zum katholischen Glauben zu bekehren, wandelten Augustiner damals einfach indianische Bräuche in christliche Feste um. So feierten die Azteken im Dezember ursprünglich die Ankunft von Huitzilopochtli, dem Kriegs- und Sonnengott und Schutzpatron der Stadt Tenochtitlán. Daraus wurden kurzerhand die heute noch üblichen neuntägigen Feiern zur Ankunft Christi – jeder Tag symbolisiert einen Monat in der Schwangerschaft Marias.

In diesem Sinne, eine besinnliche, perdón, fröhliche Posada-Zeit und Feliz navidad!

(dmz/ds/hl)

Unten: Beim Krippenspiel in Tepoztlán hat sich eine zusätzliche Teilnehmerin dazugesellt.

Mitte rechts: Festlich geschmückter Tannenbaum auf dem Zócalo in Tepoztlán. (Fotos: Daniel Schlicht)

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