Día de Muertos: Das fröhliche Fest der Lebenden mit den Toten

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Ein Opferaltar in Ocotepec: Dieser verblichene Herr mochte ganz offensichtlich gerne Pfannkuchen, Bier und Kartoffelchips (Foto: Herdis Lüke)

Von Herdis Lüke

Mexiko-Stadt, 2. November 2016 – Wer in Mexiko seiner liebsten Verstorbenen an Allerheiligen und Allerseelen gedenkt, der versinkt nicht in Trauer. Im Gegenteil. Am 1. und 2. November wird gemeinsam mit den Seelen gefeiert. Überall im Land, in jedem Haushalt und auf jedem Friedhof, mit unzähligen Kerzen, Speis und Trank, Musik und Tanz.

Uns Westeuropäern mag die mexikanische Tradition, ihren Toten mit einem fröhlichen Fest zu gedenken, befremdlich vorkommen. Auch die lustigen „Catrinas“ und „Catrines“, die in eleganten Roben verkleideten Frauen- und Männerskelette, wie sie in diesen Tagen wieder durch viele Städte Mexikos defilierten, die süßen bunten Schädel aus Zuckerguss oder Schokolade und die unzähligen Miniaturen aus Szenen mit Skeletten in der Kneipe, am Computer oder in der Küche, finden viele von uns makaber.

Jedes Jahr gibt es überall im Land Wettbewerbe, wer den schönsten Opferaltar errichtet. Der Brauch ist eine Mischung aus prähispanischen und katholischen Riten. Dabei geht es in erster Linie darum, die Verstorbenen zu ehren, am 1. November die verstorbenen Kinder und am 2. (Allerseelen), alle Toten, die dann zu Besuch kommen. Ob zuhause oder auf dem Friedhof, die vielen Kerzen sollen ihren Seelen Licht in ihre dunkle „Unterwelt“ bringen - bis zu ihrem nächsten Besuch in einem Jahr.

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Ein Altar, nur von außen zu sehen, in einem Haus in Ocotepec (Foto: Herdis Lüke)

Auf dem Altar, auf dem die Fotos der Verstorbenen stehen, wird ihnen alles an Speis und Trank dargeboten, was sie zu Lebzeiten am liebsten mochten. Das reicht von Pulque (gegorener Agavensaft), Tequila und Mezcal über Wein und Bier bis zu Coca Cola und anderen Erfrischungsgetränken, dazu Obst, Wasser, Salz, getrocknete Früchte sowie traditionelle mexikanische Gerichte wie Tamales (in Mais- oder Bananenblättern gegarte Maiskuchen), Mole, gekochtes Huhn und das traditionelle Totenbrot.

Das Pan de Muertos ist ein süßer Hefeteig, der mit Zucker bestreut wird und den eine Kugel sowie zwei überkreuzte oder mehrere kleine Teigrollen zieren. Die Kugel repräsentiert den Schädel und die Teigröllchen entweder das Kreuz Jesu oder die Knochen und der Zucker die um den Toten geweinten Tränen. Die runde Form des mit Zimt oder geriebenen Orangenschalen gewürzten Gebäcks symbolisiert den Kreislauf des Lebens. Geschmückt wird der Altar hauptsächlich mit Töpfen und Sträußen der weithin gelb und orange leuchtenden Tagetes lunulata, wie die Totenblume offiziell heißt und auf Náhuatl Cempasúchil oder Zempasúchil genannt wird.

Knochen für Knochen in Campeche

Am berühmtesten sind die Totenfeiern, die in Michoacán, und hier vor allem auf der Insel Juanitzio im Pátzcuaro-See, zelebriert werden. Wer das erleben möchte, muss aber schon ein Jahr vorher sein Hotel reservieren. Für uns ziemlich makaber ist der Brauch in dem kleinen Dorf Pomuch in Campeche, wo die Nachfahren der Maya am Totentag Knochen für Knochen ihrer Verstorbenen hingebungsvoll säubern, bevor sie sie wieder ins Grab legen.

Die Altäre von Ocotepec

Ein Besuchermagnet sind die Totenaltäre In Ocotepec, ein Dorf zwischen Cuernavaca und dem Touristenort Tepoztlán im Bundesstaat Morelos, etwa anderthalb Stunden von Mexiko-Stadt entfernt oder eine halbe Stunde von Cuernavaca. Die Attraktion sind hier die Altäre, die Familien für ihre Toten errichten – diese zu besichtigen, laden sie nicht nur ihre Verwandten, Freunde und Nachbarn ein. Auch fremde Besucher sind willkommen. Zu erkennen sind die Häuser am bunten Schmuck ihrer offenen Türen und Tore – aber vor allem an den langen Reihen von Wartenden, die in Gruppen am Altar vorbeigeschleust werden.

Mein Schädelchen hat Hunger…

An fast jedem Stand an der Hauptstraße werden lange, mit einem blauen, roten oder grünen Band verzierte Kerzen verkauft. Die Händler dürften dabei das Geschäft des Jahres machen: Kerzen gab es in diesem Jahr im Zehnerpack für 60 Pesos. Ohne Kerze kommt nämlich kein Besucher zum Altar: Er wird am Eingang von der Gastgeberin empfangen und übergibt ihr die Kerze. Jeder Gast wird bewirtet mit einem Getränk – Kaffee, Fruchtpunsch oder Atole, eine Art süße Maismilch mit Fruchtgeschmack – und einem Stück Brot.

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Geschminkt als "Calaverita": Mutter und Tochter in Ocotepec (Foto: Herdis Lüke)

Auf den Straßen sind viele verkleidete und als Calavera geschminkte Kinder unterwegs, ausgestattet mit hohlen Kürbissen aus Plastik. „Mi calaverita tiene hambre, dale comida pa‘ cenar“ (Mein Schädelchen hat Hunger, gib ihm was zu Abend zu essen…) singen sie und bitten dabei um „Opfergaben“ wie Süßigkeiten oder Geld.

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Der Mega-Umzug in Mexiko-Stadt war thematisch gegliedert und begeisterte die rund 250.000 Besucher (Foto: sipse.com)

Die vom Graphiker José Guadalupe Posadas (1852-1913) kreierten Catrinas, mit denen er die dekadente mexikanische obere Gesellschaft um die Jahrhundertwende karikierte, sind dank des Bond-Films „Spectre“ im vergangenen Jahr nun auch weltberühmt. Die Bilder des bunten Umzugs, den Mexiko-Stadt in diesem Jahr nach dem Vorbild einer in Mexiko-Stadt gedrehten Szene am vergangenen Samstag zum ersten Mal organisiert hat, haben es in bedeutende Zeitungen und Fernsehsender in aller Welt geschafft. Und damit hat die Regierung von Mexiko-Stadt genau das erreicht, was sie wollte: Für sich international zu werben.  

Bei VisitMexico finden Sie Bilder und Videos zu den Totenfeiern in den verschiedenen Bundesländern. (dmz/hl)

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