Die Posadas – Mexikanische Weihnachtstradition im Wandel der Zeit


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Das Zerschlagen der Piñata, gemalt vom mexikanischen Muralisten Diego Rivera (1886-1957)  (Foto:fandelacultura.mx)

Von Sandra Weber

Mexiko-Stadt, 20. Dezember 2016 – Die Weihnachtsvorbereitungen im christlichen Teil der Welt laufen auf Hochtouren – meist ruhig und beschaulich. In Mexiko dagegen wird kräftig gefeiert: Noch bis Heiligabend, in einem neuntägigen Feier-Marathon, zelebrieren die Mexikaner ihre Posadas. Dabei wird Wert gelegt auf Traditionen, auch wenn diese im Wandel begriffen sind.

Gefeiert wird in diesen Tagen viel, gearbeitet wenig. Vom 16. bis 24. Dezember spielen sich auf den Straßen, in den Kirchen und Häusern Mexikos die fröhlichen, bunten und lauten Posadas ab: Vorweihnachtliche Feiern, die die Suche Marias und Josephs nach einer Herberge auf ihrem Weg von Nazaret bis Betlehem darstellen. Jeder der neun Tage symboliert einen Monat in der Schwangerschaft Marias. Die letzte Posada wird am Heiligabend mit der Geburt Jesu zelebriert. Die vom Synkretismus – also der Symbiose indigener und christlich-religiöser Traditionen – geprägten Feierlichkeiten sind für die gläubigen Mexikaner von großer Bedeutung.

Zu den allabendlichen Posadas treffen sich Freunde und Verwandte in einem Haus. Einige von ihnen gehen vor die Haustüre, zwei davon als Maria und Joseph verkleidet, und bitten um eine Bleibe. Zunächst verweigern die Gäste im Haus die Aufnahme der Schutz Suchenden – denn diese sollen mehrmals bitten. Dann wird ihnen Einlass gewährt und die traditionellen Lieder werden angestimmt. Alle haben eine Kerze in der Hand, die Kinder oft auch die Figuren von Maria, Joseph oder andere Krippenfiguren wie der Esel. Danach wird der Rosenkranz gebetet und damit Maria gehuldigt, die kurz vor der Niederkunft steht. Am Schluss kommt der lustige Teil der Zeremonie – vor allem für die Kleinsten: Sie dürfen die Piñata zerschlagen: Die hängt an einem Seil quer über dem Garten, Hof, oder Straße und wird hin- und hergeschwenkt. Jedes Kind kommt einmal dran: Ihm werden die Augen verbunden und unter „Dale, Dale, Dale“-Rufen (was in etwa heißt „gib‘s ihr, gib’s ihr, gib’s ihr…) so lange geschlagen, bis der Inhalt herausfällt. Meistens sind es Süßigkeiten, auf die sie sich johlend stürzen.

Die Piñata als Symbol des Bösen

Die Piñata steht einerseits für den mexikanischen Synkretismus, verkörpert aber gleichzeitig den Wandel der Traditionen: Waren es früher mit Krepp-Papier umwickelte Tontöpfe, gefüllt mit Früchten wie Mandarinen, Guaven und Erdnüssen, bestehen die Piñatas heute vorwiegend aus Pappmaché und beinhalten größtenteils Süßigkeiten.

Obwohl der Brauch der Posadas von Spanien nach Mexiko gelangte, gibt es auch Hinweise, dass die Maya und Azteken bei Festen ähnliche Traditionen pflegten. Sie zerschlugen Tongefäße mit Stöcken, die mit Opfergaben wie Gold, Silber, Kaffeebohnen für die Götter gefüllt waren.

Die spanischen Missionare bedienten sich der aztekischen Tradition, in dem sie die Tongefäße im Inneren der Piñatas mit „dem Bösen im Menschen“ verglichen. Danach versteckt sich das Böse hinter den vielen bunten Verzierungen der Piñata und in ihren sieben Zacken, von denen jede für eine der sieben Todsünden Hochmut, Habsucht, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit steht.

Die Person, die die Piñata zerschlägt, verkörpert den Gläubigen, der mit seinem blinden Glauben (deshalb die Augenbinde) und mit Hilfe Gottes (von dem der Stock stammt) das Böse zerstört. Als Belohnung für den Kampf gegen das Böse erhält „der tapfere Kämpfer“ Gottes Segen und Güte – symbolisiert durch einen Regen aus Süßigkeiten bzw. Früchten.

Die Posadas im Laufe der Zeit

Im Einklang mit ihrem Kalender feierten die Azteken Mitte Dezember die Geburt ihres Kriegs- und Sonnengottes Huitzilopochtli. Die Augustiner nutzten dies für ihre Zwecke – nämlich die Bekehrung der Indianer zum christlichen Glauben. Die Ankunft Huitzilopochtlis wurde so durch die Geburt Jesus Christus ersetzt.

Dank des Augustinermönchs Fray Diego de Soría kamen die ersten Posadas Mexikos im 16. Jahrhundert ins Kloster von Alcolman im Nordosten von Mexiko-Stadt. Zwischen dem 16. und dem 24. Dezember wurden neun Gottesdienste abgehalten, die schon damals für die neun Schwangerschaftsmonate Marias standen. Die ersten Posadas fanden ausschließlich in Kirchen statt, wo sich Prozessionen formierten, die die Abbilder von Maria und Joseph begleiten. Bereits bei diesen ersten Posadas gab es das Rosenkranzgebet und Kerzen, bevor es zum ausgelasseneren Teil mit den Weihnachtsliedern, heißem Punsch und Piñatas überging.

Zwar gibt es zwischen dem 16. Dezember und dem 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, in ganz Mexiko keine Kirche und keine Kapelle ohne Krippe, aber die Posadas haben sich auf die Straßen der Dörfer und Häuser der Mexikaner verlagert. Die Bräuche sind weitestgehend gleichgeblieben. Allerdings geht bei den jungen Mexikanern zunehmend das Bewusstsein für die biblische Bedeutung der Zeremonien verloren, beklagen vor allem die katholische Kirche, aber auch viele ältere Mexikaner. (dmz/sw/hl)

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