Glanzvoller Auftakt des Deutschlandjahres – Steinmeier in der Teledisko

 

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Das Bundesjugendorchester mit seinem mexikanischen Pendant der Musikschule Carlos Chávez unter der mexikanischen Dirigentin Alondra de la Parra (Alle Fotos von Mario Domínguez / Año Dual Alemania-México 2016-2017)

Von Herdis Lüke

Mexiko-Stadt, 7. Juni 2016 – Erst Beethovens „Eroica“ im Palast der Schönen Künste, dann Teledisko im Platoon Hub in einem uralten, unrenovierten und charmanten Haus in der Colonia Juárez, das einmal ein Irrenhaus und ein Puff war: der Auftakt des Deutschlandjahres mit Bundesaußenminister Steinmeier gestaltete sich am Montagabend von erhaben bis lustig.

Fröhlich jedenfalls war der Abschied von Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Montagabend – der perfekte Abschluss des dreitägigen Besuchs des Bundesaußenministers in Mexiko. Das Konzert des Bundesjugendorchesters aus Deutschland gemeinsam mit dem Orchester der Musikschule Carlos Chávez unter der Leitung von Mexikos schönstem musikalischen Talent Alondra de la Parra war der Höhepunkt der Eröffnungsfeiern am Montag. Dazu gehörte die Einweihung des Deutschen Pavillons in der ehemaligen “Galería OMR” am Plaza Rio de Janeiro in der Colonia Roma Norte unweit des Goethe-Instituts.

In einer Probenwoche gelang es der 35-jährigen, die beiden Jugendorchester mit so unterschiedlichen musikalischen Wurzeln zu einer schwungvollen Interpretation von Ludwig van Beethovens „Eroika“ und Silvestre Revueltas „La noche de los Mayas“ (Die Nacht der Mayas) zusammenzuschweißen, die es in sich hatte und vom Publikum mit Standing Ovations belohnt wurde. 

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„Es ist das erste Mal, dass ich unter einer Frau gearbeitet habe. Sie dirigiert viel eleganter als ein Mann, nicht nur aus dem Arm heraus, sondern dem ganzen Körper“, berichtete nach dem Konzert Clara Borggreve vom Bundesjugendorchester. „Musik verbindet, sie ist eine Sprache, die man schnell auffasst.“ Die 18-Jährige spielt Bratsche.  Begeistert erzählt auch ihr gleichaltiger Kollege Karsten Hoffmann (Horn) über seine Erfahrung mit der mexikanischen Dirigentin. Alonda de la Parra habe die Musiker erst in Grüppchen spielen lassen, dann getrennt und schließlich zusammen jeweils als Duo. „Bei Beethoven sind wir Deutschen besser und haben den Mexikanern geholfen, bei Revueltas haben die Mexikaner uns geholfen“, erklärt Clara dazu.

Die mexikanischen Musiker haben Alondra de la Parra auf der anschließenden Party im Platoon Hub mit „La chiquitibum...“ und „México, México, ra ra ra“ hochleben lassen.

Das Platoon Hub, ein Netzwerk kreativer Köpfe, darunter bildende Künstler, Designer, Filmregisseure und Fotografen,  ist in einer über 100 Jahre alten einstigen Prachtvilla in der Straße General Prim 30 (auf der Rückseite vom Innenministerium) in der Colonia Juárez untergbracht, das seit 1985 leerstand. Das Gebäude beherbergte einst ein Irrenhaus und einen Puff, „in welcher Reihenfolge weiß ich nicht“, erklärt der Co-Gründet des Platoon Hub, Tom Büschemann, der nach Berlin und Seoul das Netzwerk nun auch in Mexiko niederlassen möchte und mexikanische Künstler inspirieren soll, beizutreten.

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Von den Fassaden und den etwa fünf Meter hohen Wänden der Räume fällt der Putz, der Boden aus Quadersteinen, die teilweise etwas eingesunken sind (nichts für Besucherinnen mit Absatzschuhen) – es herrscht ein faszinierendes„spooky“ Ambiente. Das große Portal führt in einen riesigen Patio, der von mehreren unterschiedlich großen Räumen gesäumt wird. Von hier geht eine mächtige Steintreppe hinauf auf eine Balustrade, von der wie unten die Zimmer ausgehen. An manchen Wänden hängen Bilder, in anderen sind Installationen zu sehen, die der Besucher teilweise auch begehen und so hautnah erfahren kann, aber auch Videos und Lichtspiele.

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Der Hit dürfte die Teledisko sein, die der Berliner Benjamin Uphues erfunden und entwickelt hat – die kleinste Disko der Welt in einer umgebauten alten Telefonzelle. Sie steht direkt an der Treppe – und wer mal dringewesen ist, kommt lachend wieder raus. So auch der Bundesminister, den Uphues in die Zelle geschickt hat.

Über einen Bildschirm und Münzzähler (normalerweise) außen an der Seiite der Zelle wird der Diskoautomat bedient und das Stück ausgewählt. Allein, zu zweit oder zu dritt (maximal) mit seinen besten Freunden kann man völlig ungestört auf musikalische Zeitreise gehen, zu den Backstreet Boys mitsingen oder bei Herbert Grönemeyers „Männer“ abchillen. Während des Liedes können die Tänzer per Knopfdruck die Diskokugel, Stroboskop, Nebel und andere Lichteffekte bedienen und Ihren Trip damit steuern – der dauert so lange wie das Lied.

In der Partyhauptstadt Berlin gibt es zwei Telediskos, die mobile bleibt noch bis November im Platoon Hub in Mexiko. Für Uphues ist seine Teledisko der Beweis, dass man zum Fröhlichsein keinen Alkohol braucht. Eigentlich, meint er, sollte sie sogar vor großen Diskos aufgestellt werden. „Dann würde vielleicht weniger Alkohol getrunken.“

Die Abfahrt zum Flughafen hatte der Bundesminister für 21:30 Uhr angesetzt. Pünktlich stand die Kolonne mit der Delegation abfahrbereit, auf dem massiven Balkon warteten manche Gäste, um dem hohen Gast noch einmal zuzuwinken. Es wurde doch einiges später, und manche Zuschauer dachten schon, die streitbaren Lehrer der Gewerkschaft CNTE würden den Weg versperren. Aber dem war nicht so. Steinmeier hat es einfach nur gut gefallen. Den Dagebliebenen auch – die „kreative Nacht“ mit Elektromusik und künstlerischen Darbietungen endete um zwei Uhr morgens. Da waren dann auch das letzte Bier und der letzte Tropfen Wein ausgetrunken – sonst hätte die Party wohl noch länger gedauert. (dmz/hl)

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