Santiago Roncagliolo: Der Leser soll meine Furcht spüren

03 06 Santiago Roncagliolo

Der peruanische Autor Santiago Roncagliolo mit seinem neuesten Thriller “La noche de los alfileres” (Foto: Santiago Roncagliolo / Twitter)

Managua, 3. Juni 2016 – Der Autor Santiago Roncagliolo hat als Kind in Peru das Fürchten gelernt. Mit dem Schreiben bezwingt der Peruaner seine Ängste - und reicht sie an den Leser weiter. Seine Bücher drehen sich um Krimis, Thriller, schwarze Komödien und basieren auf den Dingen, die ihn selbst erschreckten.

Das Schreiben ist für Santiago Roncagliolo eine Therapie, um seine Ängste zu kontrollieren. “Seit ich schreibe, bin ich wesentlich gesünder. Ich befreie mich von Ängsten und Traumata, indem ich ihnen mit Worten eine Gestalt gebe”, sagte der peruanische Schriftsteller und Dramaturg im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Nicaragua.

Durch das Schreiben gelinge es ihm, die Geister zu kontrollieren, die ihn seit seiner Kindheit verfolgten. “Alle meine Bücher drehen sich um Krimis, Thriller, schwarze Komödien und basieren auf den Dingen, die mich selbst erschreckten.” Der 1975 in Lima geborene Autor erlebte nach ersten Jahren in Mexiko eine Ära der Guerilla-Gewalt und des Staatsterrors im Peru der 80er Jahre. “Wir kehrten nach Lima zurück und fanden eine Stadt im Krieg vor: belagert, mit Stromausfällen, Bomben, Morden und Terroristen, wo du erschossen werden konntest, falls du neben einer Kaserne stehen bliebst”, erzählt er. Mehrfach sei er ins Kreuzfeuer geraten.

So ist die Angst ein wiederkehrendes Thema - in seinem Erstlingswerk “Pudor” (Vorsicht), in “Abril rojo” (Roter April), für den er 2006 den renommierten spanischen Alfaguara-Literaturpreis erhielt, und auch in seinem neuen Thriller “La noche de los alfileres” (bisher keine deutsche Fassung). Die Intensität, mit der er sich fürchtete, will er an den Leser weitergeben. “Es reicht mir nicht zu sagen: Ich habe Angst. Ich erschaffe eine Geschichte, damit du sie auch spürst.”

Sorge machen dem Autoren, der seit zehn Jahren mit seiner Familie in Barcelona lebt, die anhaltende Gewalt in Lateinamerika. “Früher waren es die Guerillas, die Diktaturen, jetzt ist es der Narco-Krieg. In vielen Ländern kann es passieren, dass du auf die Straße trittst und man dir eine Kugel in den Kopf schießt”, sagt Roncagliolo. “Es ist, als ob die Gewalt in unserer DNA wäre.”

Santiago Roncagliolo: Pudor. Deutsch: Vorsicht. Claassen-Verlag, Berlin, 2006, 184 Seiten, ISBN: 978-3546003902

Santiago Roncagliolo: Abril rojo, Deutsch: Roter April, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2008, 333 Seiten, ISBN: 978-3518419649

Santiago Roncagliolo: La noche de los alfileres, Verlag Alfaguara, 374 Seiten, 2016, ISBN: 9788420419398

(dmz/dpa/hl)

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