Fidel Castros Tod: Trauer und Jubel in Mexiko

28 11 Castro kl

Fidel Castro war unter anderem Regierungsschef, Staatspräsident und Vorsitzender der Kommunistischen Partei Kubas (Foto: cuba-solidarity.org.uk)

Mexiko-Stadt, 28. November 2016 – Kaum ein anderer hat die Welt derart in Anhänger und Gegner geteilt wie Fidel Castro. Auch in Mexiko und im Rest Lateinamerikas war das nicht anders: Die einen liebten ihn, den anderen war er verhasst. Der kubanische Revolutionsführer, der am Freitag im Alter von 90 Jahren in  Havanna gestorben ist, spaltet die Welt auch nach seinem Tod.

Seine Anhänger preisen ihn als Helden des Sozialismus, der Kuba zu sozialem Fortschritt verhalf. Seine Gegner sehen in ihm einen mordenden Diktator, der Gegner brutal unterdrückte und keine freie Wahlen zuließ. 47 Jahre lang regierte er Kuba mit eiserner Hand, bevor er sich aus der aktiven Politik zurückzog und im Jahre 2008 seinem Bruder Raúl Castro die Geschäfte übergab.

In Mexiko rief der Tod Castros wie überall auf der Welt starke Emotionen hervor, von tiefster Trauer bis hin zu Jubel. Mehrheitlich äußerten sich die meisten Mexikaner traurig und geschockt. Dutzende Anhänger – Diplomaten, Aktivisten, Künstler und Einwohner von Mexiko-Stadt – fanden sich am Sonntag vor der kubanischen Botschaft in Mexiko ein, um gemeinsam den verstorbenen Revolutionsführer zu ehren. Organisiert hatte die Ehrenfeier die „Mexikanische Bewegung für Solidarität mit Kuba“ (Movimiento Mexicano de Solidaridad con Cuba).

„Keine Träne für den Feind, denn hier gibt es keine Trauer, es gibt keinen Tod… hier lebt das Gedächtnis des Volkes auf...“, so wies der Ex-Botschafter von Bolivien in Mexiko, der Dichter und Schriftsteller Jorge Mancilla darauf hin, dass es sich bei der Zusammenkunft um keine Trauerfeier, sondern um eine Ehrenfeier handele. Die Teilnehmer legten Blumen und Briefe vor der Botschaft nieder.

Die venezolanische Botschafterin María Urbaneja Durant fuhr fort mit einer regelrechten Lobeshymne auf den „Maximo Líder“: „Dein Beispiel, Comandante, brachte die besten Gefühle der Menschheit hervor, die Solidarität, die Brüderlichkeit, Liebe zu den unterdrückten Völkern, du hast uns dein Beispiel und deine Lehren hinterlassen.“

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto twitterte diplomatisch-freundschaftlich: „Fidel Castro war ein Freund Mexikos, ein Förderer einer auf Respekt, Dialog und Solidarität basierenden bilateralen Beziehung.“

Die Anhänger Castros loben die Errungenschaften des kubanischen Sozialismus: Eine kostenlose Gesundheitsversorgung, kostenloser Zugang zu Bildungseinrichtungen, die geringste Kindersterblichkeit ganz Lateinamerikas, außerdem sei Kuba eine der führenden Nationen in der Biotechnologie-Forschung und im Sport.

Aber längst nicht jeder zeigt sich als Sympathisant Castros. Auch seine Gegner meldeten sich zu Wort und zeigten sich zum Teil erleichtert: „Wenn auch der Tod eines Menschen selten ein Grund zum Feiern ist, ist es der symbolische Tod von zerstörerischen Ideologien, die die kubanischen Exilanten mit neuer Hoffnung erfüllen und mit einer Erleichterung, die lange auf sich warten ließ,“ so die kubanisch-amerikanische Sängerin Gloria Estefan. Viele Exil-Kubaner feierten auf den Straßen Miamis das Ableben des verhassten Machthabers.

Der mexikanische Wissenschaftler Tristán de Leonís, der mehrmals in Kuba, oder, wie er es nennt,  in „diesem großen tropischen Gefängnis“ für mehrere Wochen Gast war, berichtet auf Facebook von schlimmen Zuständen: In Europa ausgebildete Ärzte arbeiteten in Kuba als Kofferträger in Hotels, das einst gute und viel gelobte Gesundheitssystem funktioniere spätestens seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr, das Trinkwasser sei so verunreinigt, dass viele Kubaner an Magen-Darm-Krankheiten litten und der durchschnittliche Kubaner nur selten mal ein Stück Fleisch auf dem Teller habe. De Leonis kritisierte das mangelnde Geschichtsverständnis der Anhänger Castros unter seinen Landsleuten, die nicht sehen wollten, dass der Kommunismus gescheitert sei.

Tausende Kubaner haben seit Freitag von ihrem „Máximo Líder“ Abschied genommen. Am Dienstag findet in Havanna der Staatsakt für Fidel Castro statt, zu dem sich zahlreiche Staatschefs aus aller Welt angemeldet haben, darunter der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto. (dmz/sw/hl)

A huge collection of 3400+ free website templates, WP themes and more http://jartheme.com/ at the biggest community-driven free web design site.