Drogenkrieg? Blutiges Ende eines internationalen Musikfestivals in Playa del Carmen

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So fröhlich wie der Auftakt sollte auch die Klausur des BPM-Festivals in Playa del Carmen werden (Foto: BPM)

Playa del Carmen, 16. Januar 2017 – Bei einer Schießerei in einer beliebten Clubdiskothek im mexikanischen Karibikbadeort Playa del Carmen sind am frühen Montagmorgen fünf Menschen getötet und 15 verletzt worden, davon eine schwer. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte es sich um einen Einzeltäter. Als mutmaßliches Motiv nannte sie eine Abrechnung im Drogenmilieu. Vier Personen seien festgenommen worden.

Zu dem Zeitpunkt feierten hunderte junger Gäste aus aller Welt die letzte Nacht des Internationalen BPM-Festivals im „The Blue Parrot“ am Strand in Playa del Carmen. Nach ersten Erkenntnissen sei ein Mann in die Diskothek gekommen und habe sofort geschossen. Es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt, erklärten die Organisatoren des Festivals am Montagmorgen. Später erklärte der Gouverneur des Bundesstaats Quintana Roo, Carlos Joaquín González, es habe einen Streit zwischen zwei Männern gegeben. Als einer von ihnen schoss, schossen die Sicherheitsleute zurück.

Im Schusswechsel seien drei Sicherheitsmänner und ein weiterer Mann getötet worden, bestätigte der Gouverneur am Nachmittag vor der Presse. Bei den getöteten Männern handele es sich um zwei Kanadier, einen Italiener und einen Kolumbianer. Bei der panikartigen Flucht der Gäste sei eine junge Frau, die gestolpert war, tödlich verletzt worden. Unter den Verletzten sollen keine Deutschen sein. Bei dem vierten Toten handelte es sich nach Medienangaben um einen Mexikaner aus Veracruz, der ebenfalls im Sicherheitsteam des Organisators gearbeitet habe. Zu den vier in der Nähe der Stranddiskothek Festgenommen machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben.

Die Diskothek war bisher vor allem bei jungen Touristen beliebt, stand aber auch in Verruf. Seit Jahren war es ein offenes Geheimnis, dass dort mit Drogen gehandelt und konsumiert wurden. Eine Besucherin erhob schwere Vorwürfe gegen die Betreiber der Diskothek und Organisatoren des Festivals. Sie schilderte auf Facebook, dass schon seit Freitagabend in dem Club ein „komisches“ Ambiente herrschte. Unter den Gästen seien viele „Narcos“ gewesen, und die „Kellner und Organisatoren wussten genau, um wen es sich handelte. Ich weiß was ich euch sage, denn sie wurden bevorzugt behandelt…“. Die Sicherheitsmaßnahmen seien lasch gewesen, kritisierte Claudia I..

Auf Twitter und Facebook äußerten sich auch Einheimische, denen zufolge während des Festivals „ganz offen mit Drogen gehandelt wird“. Außerdem mit gepanschtem Alkohol, zitiert die Onlinezeitung sinembargo.com einen Architekten.

Das BPM-Festival elektronischer Musik wurde vor zehn Jahren ursprünglich für Bartender, Promoter und Musiker gegründet und begann mit etwa 5000 Teilnehmern, die vornehmlich im Nachtleben arbeiteten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Festival zu einem Besuchermagneten in dem Touristenort. Im vergangenen Jahr kamen während des zehntätigen Events rund 70.000 Besucher aus 72 Ländern.

Auch in diesem Jahr strömten Tausende Besucher zu der gigantischen Musikparty, um bei Musik u. a. der Label Keinemusik aus Deutschland, Music on aus Italien und Hot Since 82 aus Großbritannien zu feiern. Wegen der hohen Eintrittspreise war das Festival mehr von internationalen als von heimischen Gästen besucht. In diesem Jahr kostete der Eintritt für die gesamte Dauer des Festivals (6. bis 15. Januar) 875 US-Dollar, für sieben Tage 585 und für drei Tage (inklusive Eröffnung oder Klausur) musste man immer noch 400 Dollar auf den Tisch blättern – für Mexikaner schier astronomische Preise.

Für den auch bei europäischen und speziell deutschen Touristen beliebten Touristenort an der Riviera Maya, wie der touristische Korridor zwischen Cancún und Tulum heißt,  könnte der Vorfall   verheerende Folgen haben. Die Tatsache, dass der Gouverneur des Bundesstaats persönlich vor die Presse tritt und ein Statement abgibt, in dem er dessen Bedeutung auf einen Streit herunterbricht, zeigt, wie ernst die Attacke zu nehmen ist.

Der Krieg zwischen rivalisierenden Drogenbanden und Kleindealern hat dem legendären Badeort Acapulco an der Pazifikküste von Mexiko international den Garaus gemacht. Nicht auszudenken, wenn Playa del Carmen das gleiche Schicksal widerfahren würde.

Aus dem kleinen gemütlichen Ort am weißen Strand vor der Kulisse des in allen Türkisschattierungen leuchtenden Meeres ist in 30 Jahren eine pulsierende Großstadt geworden, die fast ausschließlich vom Tourismus lebt.

Playa del Carmen war Mitte der 1980er Jahre noch ein Dorf von 1500 Einwohnern, in dem hauptsächlich Fischer sowie Kokosanbauer und Chiclé (Gummi)-Bauern lebten. Mitte der 1990er Jahre war die Einwohnerzahl bereits auf 10.000 gestiegen, zehn Jahre später hatte sich die Zahl mehr als verdoppelt. Im letzten Zensus von 2010 wurden knapp 160.000 Einwohner gezählt. Jährlich steigt die Einwohnerzahl um rund 15.000. Inzwischen dürften es mehr als 200.000 sein. Die jährliche Touristenzahl wird auf über zwei Millionen geschätzt. (dmz/hl)

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