Vier Tote nach Schießereien in Cancún – Zetas hinter Anschlag in Playa del Carmen

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Eine der beiden Narco-Botschaften der Zetas, die am Dienstagmorgen in Playa del Carmen entdeckt wurden (Foto: noticaribe.com.mx)

Von Herdis Lüke

Cancún/Playa del Carmen, 17. Januar 2017 – Nur einen Tag nach dem Anschlag auf eine Stranddiskothek in Playa del Carmen sind bei mehreren Schießereien am Dienstagnachmittag in Cancún vier Menschen getötet worden. Das bestätigte der Gouverneur des Bundesstaats Quintana Roo. Unterdessen hat das Drogenkartell „Zetas“ die Verantwortung für den Anschlag auf das „Blue Parrot“ in Playa del Carmen übernommen.

Allem Anschein nach wird der Krieg zwischen verschiedenen Drogenkartellen nun auch offen an der Riviera Maya ausgetragen, der mit Abstand wichtigsten touristischen Region in Mexiko, vor allem für Besucher aus den USA, Südamerika und Europa.

Möglicherweise steht die zunehmende Gewalt auch mit dem Regierungswechsel in Quintana Roo zusammen. Carlos Joaquín González (von der linken Partei PRD) hat erst am 25. September letzten Jahres sein Amt übernommen. Sein Vorgänger Roberto Borge Angulo (von der Regierungspartei PRI), ist wie sein ehemaliger Kollege und Parteifreund aus Veracruz, Javier Duarte de Ochoa, untergetaucht. Sie werden wegen Korruption und Unterschlagung von Staatsgeldern in Milliardenhöhe gesucht und sollen mit Drogenkartellen kooperiert haben.

Inoffiziell heißt es laut noticaribe.com.mx, mit der bewaffneten Aktion sollte die örtliche Drogenbaronin und angebliche Statthalterin des Sinaloa-Kartells an der Riviera Maya, Leticia Rodríguez Lara „Doña Lety“ befreit werden. Dies war vor kurzem festgenommen worden und sitzt in dem Gebäude in Cancún hinter Gittern.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft marschierten am Dienstagnachmittag etwa zehn schwer bewaffnete Männer in die Gebäude der Staatsanwaltschaft sowie angrenzender Sicherheitsorgane. Vor dem Eingang erschossen sie einen Beamten der Staatsanwaltschaft. Beim Verlassen des Gebäudes und der anschließenden Verfolgung durch Polizei seien drei der Angreifer getötet und fünf weitere Männer festgenommen worden.

Medienberichten zufolge waren auch in zwei Einkaufszentren, darunter Las Américas und Las Palmas, Detonationen zu hören gewesen. Das Portal noticaribe.com.mx zeigt Aufnahmen von Militär in einem der Einkaufszentren, die evakuiert worden seien. In seiner Mitteilung ist der Gouverneur des Bundesstaats, Carlos Joaquín González, nicht auf diese Meldungen eingegangen, sondern sprach nur davon, dass verschiedene Versionen über mehrere Schießereien Panik ausgelöst hätten.

„Zetas“-Kartell droht

Hinter dem Anschlag auf die beliebte Stranddiskothek „Blue Parrot“ am frühen Montagmorgen in Playa del Carmen, wo hunderte Gäste den Abschluss des zehntägigen BPM-Festivals für elektronische Musik feierten, steckt offenbar das Drogenkartell „Zetas“.

Am Dienstagmorgen wurden in zwei Stadtteilen in Playa del Carmen zwei gleichlautende „Narcomantas“ (Botschaften auf Spruchbändern oder Kartons, die sichtbar aufgehängt werden) mit einer eindeutigen Warnung entdeckt: „Das ist ein Beweis dafür, dass wir hier sind, weil du PHILIPP-BPM, nicht auf Linie gegangen bist, es ist der Anfang, wir werden die Köpfe der Golfos, PELONES und Chapulines abhacken, MfG el FAYO Z der alten Schule.“ Sollte die Authentizität bestätigt werden, würde dies tatsächlich bedeuten, dass der Krieg der Kartelle um die Vorherrschaft im lokalen Drogenhandel nun auch an der Riviera Maya offen ausgetragen wird.

Ein weiteres Indiz dafür ist auch die Tatsache, dass Gouverneur Carlos Joaquín González noch am Dienstagabend das Innenministerium ersucht hat, Einheiten der Bundespolizei zur Unterstützung im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität an die Riviera Maya ersucht hat.

Am späteren Dienstagabend bezeichnete Carlos Joaquín González den Anschlag auf die Staatsanwaltschaft als direkte „Revanche“ für seine Anschuldigungen gegen seinen Vorgänger Borges und einen weiteren Ex-Gouverneur, Félix González Canto.

Der Anschlag auf das „Blue Parrot“ wurde dagegen von einem Einzeltäter ausgeführt, räumte der Staatswalt am Dienstag ein und widersprach damit der am Montag vom Gouverneur verbreiteten Version von einem Streit zwischen zwei Männern. Der Täter habe gezielt zwei Mexikaner aus Veracruz erschossen sowie einen Kanadier und einen Italiener, die alle zum Sicherheitspersonal des Festivals gehörten.

Ums Leben kam auch eine US-Amerikanerin mit spanischem Namen, die bei der Flucht über einen Felsen gestürzt war; andere Flüchtende trampelten über sie und verletzten sie dabei tödlich. 15 Personen überlebten den Anschlag verletzt, eine davon schwer. Acht konnten noch am Montag wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft flüchtete der Täter in einem Taxi, dessen Fahrer ein ehemaliger Gemeindepolizist war, der wegen Erpressung vorbestraft ist. „Wir wissen nicht, warum er auf freiem Fuß war“, erklärte der Staatsanwalt weiter. Von dem Täter fehle bislang jede Spur.

Aus für das BPM-Festival in Playa del Carmen

Das BPM-Festival wurde zum zehnten Mal in Playa del Carmen veranstaltet. In den zehn Tagen des internationalen Musik-Events traten 375 Künstler an acht verschiedenen Stätten auf, im „Blue Parrot“ ging zum Zeitpunkt des Anschlags die Schlussfeier über die Bühne.

Die Bürgermeisterin von Playa del Carmen, Cristina Torres Gómez, hat als Konsequenz aus dem Anschlag zukünftige BPM-Festivals und Veranstaltungen dieser Art in der Touristenstadt verboten. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte das BPM-Festival seine Vorschriften, die während der jeweiligen Veranstaltungen gelten. Danach waren u. a. der Handel und der Konsum von Drogen verboten sowie der Konsum von Alkohol am Strandabschnitt vor der Strandbar.

Keine Reaktion von Tourismusverantwortlichen

Ob das Veranstaltungsverbot eine richtige Entscheidung war, mag dahingestellt sein. Für Playa del Carmen und die gesamte Riviera Maya, die den touristischen Korridor von Cancún bis Tulum umfasst, bedeuten jährliche Massenveranstaltungen wie das BPM, das Riviera Maya Jazz Festival oder das Internationale Riviera Maya-Filmfestival Einnahmen in Milliardenhöhe für die Gemeinden, Transportdienste, Tour-Veranstalter, Hotellerie und Gastronomie.

Der Schock sitzt so tief, dass es den Tourismusverantwortlichen nicht nur der betroffenen Region die Sprache verschlagen hat. Bisher äußerten sich weder die Fremdenverkehrsorganisationen von Cancún noch die der Riviera Maya, die ihren Sitz in Playa del Carmen hat, öffentlich zu den Anschlägen. Auch kein Wort bisher von Bundestourismusminister Enrique de la Madrid. Und das gibt zu denken. (dmz/hl)

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