Ärzte warnen: Mexikos Kinder sind zu dick – Gefahr einer Epidemie


15 12 Fettleibigkeit Kinder2 kl

Dieses krankhaft fettleibige Baby aus Kolumbien kann nicht einmal krabbeln (Foto: 20min.ch)

Mexiko-Stadt, 19. Dezember 2016 – Mexikos Babys und Kleinkinder sind die dicksten der Welt. Schuld sind meist die Eltern: Nur 50 Prozent der Kinder bekommen Obst zu essen, noch weniger Gemüse. Stattdessen werden bis zu 90 Prozent der Kleinen mit Süßigkeiten und Refrescos (zuckerhaltige Getränke) „verwöhnt“. Ärzte warnen vor einer Epidemie.

Refrescos, Chips, Tacos, Instantsuppen – Viele Mexikaner ernähren sich schon im frühen Kindesalter falsch - nicht ohne Folgen: Über ein Drittel (37 Prozent) der Kinder sei übergewichtig und fettleibig und habe ein vier Mal erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken, erklärte Salvador Villalpando, Klinikleiter und Gastroenterologe im Kinderkrankenhaus Federico Gómez (HIMPFG) bei der Präsentation eines Ernährungsratgebers für den Säugling.

Der „Ratgeber rund um die richtige Ernährung für den gesunden Säugling“, der jetzt in Mexiko-Stadt vorgestellt wurde, bietet Informationen zur Ernährung des Kindes in verschiedenen Altersstufen:  Er listet alle notwendigen Lebensmittel und die dazugehörigen angemessenen Portionen auf. Die Fütterung des Babys zusätzlich zur Muttermilch sollte ab sechs Monaten beginnen und adäquate Mengen an Fleisch, Gemüse, Getreide und Obst enthalten.

Der Ratgeber weist auch explizit darauf hin, was vermieden werden sollte: Süßigkeiten und Refrescos, Kuhmilch sowie alle zuckerreichen Lebensmittel wie Säfte, gezuckerte Tees, Atole (heißes und gesüßtes Maisgetränk) sowie Joghurt. Einst verteufelte Lebensmittel wie Schweinefleisch, Frijoles (Bohnenmus) und Ei sollten dagegen auch auf dem Speiseplan des Kindes stehen, weil sie Eisen liefern.

Entwickelt wurde der Ratgeber von einem interinstitutionellen Team aus Ärzten und Ernährungsexperten, angeführt von Salvador Villalpando. Er nennt alarmierende Zahlen: Schon 34 Prozent der Babies zwischen sechs und elf Monaten konsumierten Refrescos. Bis zum Erreichen des vierten Lebensjahres seien es 78 Prozent. 43 Prozent der ganz Kleinen zwischen sechs und acht Monaten nehmen regelmäßig süße Lebensmittel wie Kuchen, Kekse und Pan Dulce (mit einer Zuckerschicht überbackenes Brot) zu sich, 87 Prozent seien es zwischen zwei und drei Jahren. Nur 50 Prozent der Kinder bis zu vier Jahren esse Obst, Gemüse würden gar nur 20 Prozent regelmäßig zu sich nehmen. 80 Prozent der Kinder zwischen sechs Monaten und vier Jahren bekommen kein Fleisch zu essen. Folgeerkrankungen sind vorprogrammiert: 38 Prozent der mexikanischen Kinder zwischen einem und zwei Jahren litten an Blutarmut und Eisenmangel.

Prävention ist für Villalpando daher der einzige Weg, die Adipositas in den Griff zu bekommen: Die Eltern müssten früh über die richtige Ernährung ihrer Kinder aufgeklärt werden. Denn sei ein Kind schon übergewichtig, sei es in den meisten Fällen bereits zu spät, es auf ein Normalgewicht zu bringen. Jährlich würden 400 Kinder ins HIMPFG eingeliefert, um abzunehmen und ihre Folgeerkrankungen behandeln zu lassen. Der Bedarf steige, jedoch fehlten dem Kinderkrankenhaus weitere Kapazitäten. Schon Einjährige mit krankhafter Fettsucht würden hier behandelt. Nur bei sechs Prozent gelinge es, einige Kilo und dauerhaft abzunehmen, bei den restlichen 94 Prozent seien jegliche Bemühungen umsonst.

 „Wir werden 2030 die ersten Fälle von Frühverrentung und Berufsunfähigkeit wegen Fettsucht, Zuckerkrankheit und den Folgeerkrankungen haben“, warnte der mexikanische Gastroenterologe schon im vergangenen Jahr in einem Spiegel Online-Interview. Die heute 10- bis 15-Jährigen  würden die erste Generation sein, deren Lebenserwartung geringer ist als die ihrer Eltern. Bei der Fettleibigkeit in Mexiko handele sich nicht mehr um eine Volkskrankheit, „es ist eine Epidemie“.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO leiden 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren weltweit an Übergewicht, Tendenz steigend (Stand 2014). Im Rahmen mehrerer Studien des Fachmagazins „The Lancet“ wurden über 20 Millionen Menschen aus nahezu allen Ländern der Welt vermessen und gewogen. Demnach leben in den USA die meisten Übergewichtigen, gefolgt von Mexiko und China. Erstmals gibt es mehr übergewichtige als untergewichtige Menschen auf der Erde. (dmz/sw/hl)

A huge collection of 3400+ free website templates, WP themes and more http://jartheme.com/ at the biggest community-driven free web design site.