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Tourismus

Neuer Airport von Mexiko-Stadt: Nur wenige Airlines fliegen hin

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Der neue internationale Flughafen in Santa Lucía wird wohl pünktlich fertig – nur mit der Anbindung wird es wohl noch eine Weile Probleme geben. (Foto: Screenshot/AIFA)

Mexiko-Stadt, 23. Januar 2021 – Am 21. März wird der neue Internationale Flughafen am Militärstützpunkt Santa Lucía im Bundestaat Estado de México nordöstlich von Mexiko-Stadt eingeweiht. Wer ihn gesehen hat, ist voll des Lobes über das Design und den Fortschritt bei den Arbeiten, ob Journalisten, internationale Luftverkehrsorganisationen oder Fluggesellschaften selbst. Aber: Bisher sind es erst sechs Airlines, die den Nuevo Aeropuerto Internacional Felipe Ángeles (NAIFA) anfliegen wollen. Und das sind nur die mexikanischen Low-Cost-Carrier Volaris, Viva Aerobus, Aeromar, Interjet – die voraussichtlich wieder fliegen wird –, die venezolanische Gesellschaft Conviasa sowie eine neue mexikanische Fluggesellschaft, über die noch keine Details bekannt sind.

Große europäische Airlines wie Lufthansa, KLM, Iberia und Air France werden weiterhin den bisherigen Flughafen Aeropuerto Internacional de la Ciudad de Mexico (AICM) anfliegen, ebenso wie die mexikanische Gesellschaft Aeroméxico. Die spanische Gesellschaft Iberia wird sogar ihr Angebot an wöchentlichen Flügen zwischen Mexiko-Stadt und Madrid noch erweitern. Mit dem neuen Flughafen in Santa Lucía und den Flughäfen in Mexiko-Stadt (AICM) und Toluca (AIT) im Westen wird die Hauptstadt-Region über drei große internationale Flughäfen verfügen.

Der neue Flughafen entsteht in Santa Lucía in der Gemeinde Zumpango, im Bundesstaat Estado de México, im Nordosten von Mexiko-Stadt. Die Entfernung zwischen NAIM und dem Historischen Zentrum und zwischen den beiden Airports beträgt 45 Kilometer.

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Bisher hat der NAIFA ein großes Manko: Um für Fluggesellschaften attraktiv zu sein, muss der vom Militär errichtete Airport in Santa Lucía noch ein entscheidendes Infrastrukturproblem lösen, nämlich die Anbindung. Fertiggestellt und eröffnet ist bisher nur die Autobahn Siervo de la Nación, die von der Avenida Gran Canal auf der Höhe von Río de los Remedios bis zu Venta de Carpio in Ecatepec führt. Noch nicht in Betrieb ist die Erweiterung der Autobahn Mexico-Pachuca und die Verbindung zum Circuito Exterior Mexiquense, eine wichtige Verkehrsachse u. A. nach Toluca, über die auch die Buslinie Mexibús verkehren soll, und Querétaro. Von den beiden angekündigten Mexibús-Linien, die Passagiere mit dem neuen Flughafen verbinden sollen, ist die Linie 1, die von Ciudad Azteca in Ecatepec nach Ojo de Agua in Tecámac führt und bis zum NAIFA verlängert werden soll, noch ein Versprechen. Mit der Fertigstellung des Vorortzuges Tren Suburbano von Buenavista in Mexiko-Stadt über Lechería bis zum Flughafen wird erst in der ersten Jahreshälfte 2023 gerechnet. Wenn er erst einmal in Betrieb geht, bräuchte man für die Strecke von zentrumsnahen Buenavista, von wo mehrere Metrobus-Linien abfahren, bis zum NAIFA 38 Minuten.

„In einer Stadt von der Größe von Mexiko-Stadt braucht man mehrere Straßen, mehrere Ein- und Ausfahrten, um den Flughafen zu erreichen und ihn zu einem wettbewerbsfähigen Flughafen zu machen”, sagte Peter Cerdá, IATA-Vizepräsident für Nord- und Südamerika, bei der Besichtigung des neuen Flughafens im Dezember. Für die überwiegende Mehrheit der internationalen Flüge bleibe der AICM der wichtigste Flughafen von Mexiko-Stadt und sei ein strategisches Drehkreuz für mexikanische Fluggesellschaften. Das werde sich kurzfristig nicht ändern, sagte Cerdá. Allerdings, erklärte dazu der Direktor des NAIFA Isidoro Pastor Román, der Tageszeitung „El Heraldo de México“ sei der Flughafen nicht als Drehkreuz ausgelegt. Dies sei dank der neuen Flugzeugtypen nicht notwendig.

Immobilienpreise ziehen an

Obwohl zum Start des neuen Flughafens nur sechs Fluggesellschaften von dort aus ihren Dienst anbieten werden, hat Santa Lucía ein gutes Potenzial, hat Peter Cerdá erkannt: Er sei interessant für die mehr als fünf Millionen Menschen, die in den nahegelegenen Gemeinden leben. Für sie werden Ziele wie Tijuana, Cancún, Guadalajara und Monterrey leichter zu erreichen sein als vom AICM. Das macht sich jetzt schon an den steigenden Mietpreisen in den flughafennahen Gemeinden bemerkbar, wie die Plattform Propiedades.com festgestellt hat. Demnach stieg der Quadratmeterpreis für Häuser in Zumpango zwischen Juni und November letzten Jahres um 13 Prozent von 9.841 Pesos auf 10.672 Pesos. Für Wohnungen betrug der Anstieg acht Prozent, von 8.847 Pesos auf 9.595 Pesos. Eine weitere nahe gelegene Gemeinde ist Huehuetoca, wo der Quadratmeterpreis für Häuser zwischen Juni und November letzten Jahres gar um 14 Prozent von 8.539 Pesos auf 9.708 Pesos gestiegen ist. Die Preise für Wohnungen stiegen um 11 Prozent von 8.813 Pesos auf 9.814 Pesos.

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Was kostet eine Fahrt zum neuen Flughafen?

Problematisch wird es für Reisende, die mit dem Taxi zum Airport müssen. Für Taxi-Apps wie Uber, Didi oder Cabify werden die gleichen Regeln gelten wie am AICM: Sie dürfen keine Passagiere abholen. Welcher Taxi-Service die Konzession für den neuen Flughafen bekommt, steht noch nicht fest. Die Tarife dürften aber über denen der Taxi-Apps liegen, wie das schon beim alten Airport der Fall ist.

Wer im Süden von Mexiko-Stadt wohnt, von Perisur aus gerechnet, braucht für die 72 Kilometer lange Strecke mit dem Pkw etwa anderthalb Stunden. Von Coyoacán aus wären es 61 km, von Chapultepec und Condesa 51 beziehungsweise 50 km, und 79 km von Xochimilco. Je nach Verkehr muss also mit teilweise langer Fahrtdauer gerechnet werden. Zum Vergleich: Von Coyoacán zum AICM sind es nur 16 km, aber wenn der Circuito Interior (Río Churubusco) verstopft ist, kann, wer Pech hat, auch seinen Flieger verpassen, selbst wenn er drei Stunden vor Abflug von zuhause losfährt.

Eine Fahrt mit Uber X für drei Passagiere würde ab Perisur 2.049 Pesos kosten, ebenso ein Uber X VIP, wie die Tageszeitung „Excélsior“ errechnet hat. Für eine Fahrt in einem Uber Black SUV für fünf Passagiere wären 2.298 Pesos zu bezahlen. Etwas günstiger wäre es bei DIDI: Hier würde eine Fahrt zwischen rund 727 und 798 Pesos kosten und ginge sogar schnell als bei Uber. Wer von Chapultepec/Polanco (Höhe Museo de Antropología) abfährt, muss laut „El Heraldo de México“ mit etwa 460 bei Didi und 1.574 Pesos bei Uber rechnen; eine Fahrt vom Parque México in der Condesa zum NAIFA würde bei Didi 555 und bei Uber 1.652 Pesos kosten. Wer vom AICM zum NAIFA will, muss bei Didi mit 447 Pesos und bei Uber mit 1.185 Pesos rechnen.

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Neue Flugrouten über Mexiko-Stadt

Was die Infrastruktur und die technische Ausstattung des neuen Flughafens betrifft, gibt es laut Peter Cerdá keine Bedenken. Mitte Dezember legte die mexikanische Flugsicherungsbehörde SENEAM (Servicio Nacional del Espacio Aéreo Mexicano) die neuen Flugrouten vor, die sie in Koordination u. A. mit der mexikanischen Luftwaffe, der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO, International Civil Aviation Organization), der  Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung (IATA, International Air Transport Association), der US-amerikanischen Flugaufsichtsbehörde (FAA, Federal Aviation Administration ) und der mexikanischen Pilotenschule (CPAM, Colegio de Pilotos Aviadores de México ) erarbeitet hat.

Die neuen Routen seien „unter strikter Einhaltung der nationalen und internationalen Flugsicherheitsstandards entworfen, so dass die Abstände zwischen Flugzeugen, Hindernissen und Gelände den geltenden Normen entsprechen”, heißt es dazu in einer Erklärung der SENEAM. Seit Anfang des neuen Jahres wird der Luftraum der SENEAM zufolge vom Tower des neuen Airports kontrolliert. Der Betrieb am alten internationalen Flughafen AICM soll auf 61 Flüge pro Stunde in seinem Luftraum reduziert werden.

Das 900 Seiten starke Dokument u. A. für Airlines, Lotsen und Piloten enthält außerdem aktualisierte Strecken, Verfahren und Informationen für die Flughäfen von Aguascalientes, Ciudad del Carmen, Ciudad Juárez, Ciudad Victoria, Colima, Cuernavaca, Chihuahua, Durango und Hermosillo, Ixtapa Zihuatanejo, Leon, Matamoros, Merida, Mexicali, Monterrey, Morelia, Nuevo Laredo, Puebla, Querétaro, Saltillo, San José del Cabo, San Luis Potosí, Tampico, Tapachula, Tijuana, Toluca, Torreón, Veracruz und Villahermosa.

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Am 17. Dezember war der Bau laut Verteidigungsministerium zu fast 90 Prozent fertig, wie das Video über den Baufortschritt zeigt. Das dafür veranschlagte Budget liegt bei 75 Milliarden Pesos, derzeit umgerechnet etwa 3,21 Milliarden Euro, das nicht überschritten werden soll. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums werde das nicht der Fall sein. Die genauen Zahlen sind nicht zugänglich und deshalb bisher nicht nachprüfbar. Für den Bau wurde Stahl aus dem zurückgebauten Neuen Flughafen (NAICM) in Texcoco verwendet. Zu den Zulieferern gehört das deutsche Unternehmen Siemens.

Der von Sir Norman Foster unter der Regierung von Enrique Peña Nieto (PRI, 2012 bis 2018) entworfene Flughafen war seinem linkspopulistischen Nachfolger Andrés Manuel López Obrador ein so großer Dorn im Auge, dass er den Bau nach einer umstrittenen Volksbefragung stoppen ließ und dem Militär den Auftrag gab, am Stützpunkt Santa Lucía einen neuen Airport für die Hauptstadtregion zu bauen.

Am Tag seiner Einweihung wird der NAIFA über 14 Flugsteige verfügen. Im über 8510 Quadratmeter großen Abfertigungsgebäude wird es zu Beginn fünf Schaltergruppen geben, die aus 100 herkömmlichen Schaltern, 86 Selbstbedienungskiosken und 20 Abgabeschaltern für die Selbstdokumentation des Gepäcks bestehen. Darüber hinaus wird es 22 Sicherheitsbänder mit Röntgengeräten geben.

Im ersten Jahr seines Betriebs soll der NAIFA 19 Millionen Passagiere abfertigen – idealerweise. In 15 Jahren, wenn das Terminal seine volle Auslastung erreicht haben wird, also im Jahr 2037, sollen in Santa Lucía rund 100 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser des Grijalva-Stroms in den Golf von Mexiko. Unklar ist bisher auch, welche Frachtunternehmen in Santa Lucía ihre Dienste anbieten werden. Bisher gibt es nach Auskunft des Verteidigungsministeriums erst Absichtserklärungen von zwei nicht genannten Unternehmen.

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Die Einweihung am 21. März, zu der neben dem kompletten Kabinett zahlreiche Spitzenpolitiker und u. A. die in Mexiko akkreditierten Botschafter erwartet werden, dürfte ein historisches Fest werden. Es wird erwartet, dass es eine große Luftparade, Fallschirmabsprünge und mehrere Landungen von zivilen und militärischen Flugzeugen geben wird, um die Funktionsfähigkeit der neuen Infrastruktur zu demonstrieren. (dmz/hl)

Die Hamburgerin Herdis Lüke hat die Deutsche Mexiko-Zeitung 2011 wieder gegründet. Die erste DMZ wurde 1976 von ihrem Landsmann Klaus Ellrodt ins Leben gerufen und nach ein paar Monaten wieder begraben. Herdis Lüke ist Vollblut-Journalistin, in Deutschland ausgebildet und mit Stationen in Düsseldorf, Mexiko-Stadt – u. A. bei der Tageszeitung Excélsior -, danach Hamburg, wo sie mehrere Jahre bei der Deutschen Presse-Agentur tätig war, und seit 2006 wieder Mexiko. 2011 hat sie ihren Traum erfüllt und die zweite Deutsche Mexiko-Zeitung aus der Taufe gehoben. Als freie Journalistin hat sie für mehrere Medien in Deutschland geschrieben und ist Autorin mehrerer Bücher, darunter ein Premium-Mexiko-Reiseführer. Auf sie ist das erste Online-Reisemagazin über Mexiko für den deutschsprachigen Markt zurückzuführen (2001), die Mexiko-Travelnews (bis 2013).

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