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Impfstoffe „made in Africa“? – Biontech stellt Pläne vor

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Ugur Sahin (M), Biontech-Gründer, steht vor dem „Biontainer“. Das Pharmaunternehmen Biontech stellt seine Pläne zur Entwicklung von Impfstoffe in der Afrikanischen Union und dem nachhaltigen Aufbau von Impfstoffproduktionskapazitäten am Produktionsstandort in Marburg vor. (Foto: Andreas Arnold/dpa)

Von Carolin Eckenfels, Kristin Palitza und Christiane Oelrich

Das Pharma-Unternehmen Biontech will mobile Produktionsanlagen in afrikanische Staaten liefern, damit dort Impfstoffe hergestellt werden können – nicht nur gegen das Coronavirus. Ist das die Lösung?

Marburg/Mainz/Kapstadt/Genf, 16. Februar 2022 – Außen Schiffscontainer, innen Hightech und vor allem mobil: Das Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech hat in den vergangenen Monaten an schlüsselfertigen Produktionsanlagen für mRNA-Impfstoffe getüftelt, die auf Reisen gehen sollen mit dem Ziel Afrika. Die Pandemie, die die mangelnde Impfstoffversorgung auf dem Kontinent offenlegte, gab den Anstoß für das Vorhaben. Dieses soll aber nicht allein auf Corona fokussieren.

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„Wir arbeiten mit afrikanischen Partnern zusammen, um eine nachhaltige Produktionslösung in Afrika für Afrika zu entwickeln“, sagte Biontech-Chef Ugur Sahin zur Vorstellung der Pläne am Mittwoch. „Wir bringen das Know-how für die mRNA-Produktion mit und haben für dieses Projekt eine modulare Produktionsanlage auf Basis von Containern samt spezieller Software entwickelt.“ Dem Unternehmen zufolge ist der Biontech/Pfizer-Corona-Impfstoff nur eines der möglichen Produkte, die darin hergestellt werden können. Es gehe beispielsweise auch um potenzielle Malaria- oder Tuberkulose-Vakzine.

In einer Halle auf Biontechs Betriebsgelände im hessischen Marburg, wo seit rund einem Jahr Corona-Impfstoff im großen Stil hergestellt wird, steht der Prototyp der Anlage. Sie ist quasi eine Kopie des Marburger Werks im Kleinen und besteht aus zwei Modulen, die aus jeweils sechs Schiffscontainern zusammengesetzt sind. Ausgestattet sind sie mit allen Geräten, die zur Herstellung von mRNA – einem Botenmolekül – und dem späteren Medizinprodukt nötig sind. Die maximale Menge richtet sich nach dem jeweiligen Präparat. Von dem Corona-Impfstoff, so das Unternehmen, könnten anfangs geschätzt bis zu 50 Millionen Dosen pro Jahr hergestellt werden.

Die erste Anlage, vorgefertigt und getestet in Marburg, soll in der zweiten Jahreshälfte Afrika erreichen. Die Kosten für die Entwicklung verrät Biontech nicht. Als Grund fürs Engagement führte der operative Geschäftsführer Sierk Poetting an: „Wir haben gesagt, wir müssen Produktion nach Afrika bringen. Und auch Technologieunterstützung liefern, damit unser Prozess, den wir hier in Marburg etabliert haben, auch dahin kommt.“ Der schnellste Weg sei die Container-Lösung. Die Technologie müsse nach Afrika, denn sonst „sind wir in der nächsten Pandemie wieder an der gleichen Stelle“.

Biontechs Container-Pläne werden mancherorts kritisch betrachtet. Westliche Initiativen zur Impfstoffproduktion sollten Afrika stärken, indem sie lokale Kapazitäten fördern und langfristig mehr Unabhängigkeit schaffen, sagte Charles Gore, Exekutivdirektor des Medicine Patent Pool (MPP) der Vereinten Nationen, der Deutschen Presse-Agentur. Warum Biontech Container verschiffen will statt Produktionsstätten vor Ort aufzubauen, hat ihn misstrauisch gemacht. Ganze Labore mit eigenem Personal aus dem Westen nach Afrika zu schicken „wäre eine Form des Neokolonialismus“, so Gore.

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Auch der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, betonte vor wenigen Tagen bei einem Besuch in Südafrika „die Notwendigkeit einer verstärkten lokalen Produktion von Impfstoffen (…), insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen“.

Eine Initiative, die dies bereits tut, ist das Biotechnologieunternehmen Afrigen Biologics and Vaccines, das im südafrikanischen Kapstadt Afrikas ersten eigenen und patentfreien mRNA-Corona-Impfstoff entwickelt. Unterstützt von der WHO soll dieser die Abhängigkeit von Entwicklungs- und Schwellenländern von der Pharmaindustrie mindern. Diese Länder sollen die dort entwickelten Impfstoffe und Medikamente lizenzfrei beziehen und selbst herstellen können. So soll die Verteilung von Impfstoffen weltweit günstiger, schneller und gerechter gemacht werden. Anfang 2024 soll das Präparat marktreif sein.

Die WHO will sich bei der Produktion von Impfstoffen und anderen Medikamenten nach schlechten Erfahrungen nicht mehr auf das Wohlwollen von Firmen und Regierungen in reichen Ländern verlassen. Auf dem Kontinent sind nach Angaben der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC erst rund 11 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft – im Vergleich zu mehr als 70 Prozent in Europa.

Für die niedrigen Raten in Entwicklungsländern sind hauptsächlich Impfstoffengpässe westlicher Hersteller verantwortlich. Besonders anfangs haben sich reiche Länder fast die gesamte Produktion der Corona-Impfstoffe mit Verträgen gesichert. Viele ärmere Länder gingen monatelang leer aus. Um dies künftig zu vermeiden, plant die Afrikanische Union, bis 2040 rund 60 Prozent der auf dem Kontinent benötigten Impfstoffe selbst zu produzieren.

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Noch ist offen, in welches Land Biontech seine erste mobile mRNA-Produktionsstätte bringen wird. Geplant sei, Anlagen nach Senegal, Ruanda und gegebenenfalls Südafrika zu liefern. Unternehmenschef Sahin betonte: „Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit den Partnern der jeweiligen Region betrieben, die unter anderem die Infrastruktur vor Ort vorbereiten und uns bei den regulatorischen Prozessen unterstützen.“ Der Betrieb vor Ort solle zunächst mit eigenen Produktionsspezialisten sichergestellt werden, „während wir lokale Fachkräfte ausbilden, um die Produktion langfristig an die afrikanischen Partner zu übergeben“.

Es wird aber noch eine Weile dauern, bis ein erster Impfstoff eine der Container-Anlagen in Afrika verlässt. Biontech geht davon aus, dass die Produktion zwölf Monate nach der Anlieferung der Module im Zielland starten kann. Bestimmt seien die darin hergestellten Impfstoffe dann fürs Inland und für den Export an andere Staaten der Afrikanischen Union, für einen gemeinnützigen Preis. (dpa/dmz/hl)

Die Hamburgerin Herdis Lüke hat die Deutsche Mexiko-Zeitung 2011 wieder gegründet. Die erste DMZ wurde 1976 von ihrem Landsmann Klaus Ellrodt ins Leben gerufen und nach ein paar Monaten wieder begraben. Herdis Lüke ist Vollblut-Journalistin, in Deutschland ausgebildet und mit Stationen in Düsseldorf, Mexiko-Stadt – u. A. bei der Tageszeitung Excélsior -, danach Hamburg, wo sie mehrere Jahre bei der Deutschen Presse-Agentur tätig war, und seit 2006 wieder Mexiko. 2011 hat sie ihren Traum erfüllt und die zweite Deutsche Mexiko-Zeitung aus der Taufe gehoben. Als freie Journalistin hat sie für mehrere Medien in Deutschland geschrieben und ist Autorin mehrerer Bücher, darunter ein Premium-Mexiko-Reiseführer. Auf sie ist das erste Online-Reisemagazin über Mexiko für den deutschsprachigen Markt zurückzuführen (2001), die Mexiko-Travelnews (bis 2013).

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