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Panorama

Nackt und gefoltert: Neun Leichen auf Landstraße in Veracruz abgelegt – Warnung an Innenminister

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Warnung an den Innenminister von Veracruz neben den Leichen. (Foto: Twitter)

Von Herdis Lüke

Zwei neue Massaker mit insgesamt 19 Toten werfen im gerade erst angefangenen neuen Jahr erneut ein Schlaglicht auf die gnadenlose Gewalt der rivalisierenden Drogenkartelle in Mexiko. Obwohl die Regierung riesige Einheiten an Sicherheitskräften in die betroffenen Regionen abordnet hat, können sie die Gewalt nicht eindämmen.  

Isla, Veracruz, 7. Januar 2022 – Der Krieg zwischen den Drogenkartellen wird immer brutaler und die Regierung scheint demgegenüber hilflos. Am Freitagmorgen wurden auf der Landstraße zwischen Cosoleacaque und La Tinaja im Bezirk Isla im zentralen Süden von Veracruz neun Leichen gefunden. Sie wurden gestapelt abgelegt und gegen 08:00 Uhr Ortszeit am Morgen von einem Autofahrer entdeckt. Die acht nackten Männer und eine Frau wurden offensichtlich gefoltert, bevor sie getötet wurden.

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Versehen wurde die makabre Fracht mit einer Nachricht an den Innenminister des Bundesstaats, Erick Cisneros Burgos. „Damit du siehst, Erick Cisneros Burgos, dass hier im Papaloapan-Flussgebiet die Vier Buchstaben herrschen”, ist auf dem Transparent neben den Leichen zu lesen. Mit den vier Buchstaben ist vermutlich das Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) gemeint, die den Innenminister des Bundesstaats beschuldigt, in Diensten des Sinaloa-Kartells zu stehen. Auf Twitter wurde ein schockierendes Video veröffentlicht, das im Zusammenhang mit dem Fund der Leichen stehen soll.

Das fruchtbare Papaloapan-Flussgebiet gehört zu einer der landschaftlich schönsten Regionen von Veracruz, nordöstlich grenzt sie an Las Tuxtlas und Tlacotalpan mit der gleichnamigen kolonialen Perle am Golf von Mexiko, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Der Papaloapan-Fluss mündet in den Golf von Mexiko. Isla liegt rund 370 Kilometer südlich der Hauptstadt Xalapa.

Von den Tätern fehlt, wie meistens in Mexiko, jede Spur. Selten werden die Auftragsmörder der Kartelle in Mexiko geschnappt. Wie der Gouverneur von Veracruz mitteilte, handele es sich bei dieser Aktion um eine Reaktion der organisierten Banden auf die Operationen der Sicherheitskräfte des Bundeslands und des Bundes zur Eindämmung der Kriminalität in der Region. Die verschiedenen Behörden auf Bundes- und regionaler Ebene arbeiteten zusammen, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Die Ermittlungen würden in diesem Fall von der Generalstaatsanwaltschaft durchgeführt.

Er erinnerte daran, dass die Regierung in Mexiko-Stadt Ende letzten Jahres 16.814 Einheiten der Marine, der Armee, der Nationalgarde und der Marinepolizei abgeordnet habe. In Veracruz seien sieben neue Stützpunkte der Nationalgarde fertiggestellt, vier befänden sich noch im Bau. Bis 2023 würden es voraussichtlich 31 Stützpunkte sein.

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Zehn Tote in Lieferwagen vor Regierungspalast in Zacatecas

Nur einen Tag zuvor, am frühen Morgen des Drei-Königstags, wurde in Zacatecas, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats im zentralen Mexiko, ein Lieferwagen mit zehn Leichen vor dem Regierungspalast in der kolonialen Altstadt abgestellt, die ebenfalls zum Weltkulturerbe zählt und ein Touristenmagnet ist.

Wie das Ministerium für Sicherheit und Bürgerschutz am Morgen mitteilte, sei auf Aufzeichnungen der Sicherheitskameras zu sehen, wie ein Mann kurz vor 5.30 Uhr einen grauen Lieferwagen vor dem Regierungspalast abstellt und davonrennt. Im Inneren des Fahrzeugs fand die Polizei zehn Körper, die zuvor wohl geschlagen wurden. Bei dem Fahrzeug handele es sich um einen silbergrauen Mazda-Pick-up-Truck, der um 5.14 Uhr in das Zentrum der Hauptstadt einfuhr. Der Fahrer flüchtete etwa neun Minuten später in eine Gasse, wie die Kameras zeigen. Die Staatsanwaltschaft ermittele, wem das Auto gehört, ob das Fahrzeug bereits wegen Diebstahls gemeldet wurde und versuche, die Route des Mannes zu ermitteln, der es gefahren hat.

Der Gouverneur des Bundesstaats, David Monreal, konnte bereits am Nachmittag melden, dass „die Verantwortlichen gefasst“ worden seien, machte aus ermittlungstaktischen Gründen jedoch keine Angaben zur Anzahl der Festgenommenen oder welche Rolle sie bei dem Massaker spielten. Auch zur Identität der Toten gibt es noch keine Informationen. Angeblich sollen zwei Frauen unter den Opfern sein.

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Diese makabre Tat wirft ein Schlaglicht auf die Gewalt in Mexiko. In Zacatecas sei die Gewalt „zur größten Herausforderung“, räumte Monreal ein, machte dafür aber ein „verfluchtes Erbe” der Vorgängerregierungen verantwortlich. Die Gewalt „ist ein aktuelles Thema in unserem Land und in unserem Staat”, sagte er.

Neun Bezirke in Zacatecas haben in diesem Jahr keine lokale Polizei mehr, die aus Angst vor der unkontrollierten Gewalt gekündigt hat. Dutzende von gefolterten Leichen wurden an Brücken abgelagert oder gehängt. Der Bundesstaat ist zum Epizentrum der Gewalt in Mexiko geworden, wo die Drogenszene ihre Macht zur Schau stellt, schreibt dazu die spanische Tagezeitung „El País“.

Wurden im Jahr 2020 in Zacatecas fast 1.200 Morde registriert, waren es im letzten Jahr bereits 1.700. Um die Gewalt in den Griff zu bekommen, kündigte Präsident Andrés Manuel López Obrador Ende November die Verlegung von Hunderten von Agenten und Mitgliedern der Nationalgarde nach Zacatecas an. Der mexikanische Verteidigungsminister Luis Crescencio Sandoval betonte damals die Notwendigkeit, das Zentrum des Bundesstaats zu stärken, in dem die beiden mächtigsten Kartelle des Landes, Sinaloa und Jalisco Nueva Generación (CJNG), in den letzten Monaten aufeinandergetroffen sind. Durch Zacatecas verläuft die umkämpfte Durchgangsroute zu den wichtigsten Grenzstaaten im Norden für den Drogenschmuggel in die USA.

Auf dem Weg zu einem Treffen mit allen Sicherheitskräften des Staates forderte Monreal die Bürger und Gott auf, angesichts der Kriminalität „weiter zu kämpfen”: „Wir dürfen nicht aufgeben, wir müssen unsere Leute auffordern, wachsam zu sein und auf sich aufzupassen”. (dmz/hl)

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Die Hamburgerin Herdis Lüke hat die Deutsche Mexiko-Zeitung 2011 wieder gegründet. Die erste DMZ wurde 1976 von ihrem Landsmann Klaus Ellrodt ins Leben gerufen und nach ein paar Monaten wieder begraben. Herdis Lüke ist Vollblut-Journalistin, in Deutschland ausgebildet und mit Stationen in Düsseldorf, Mexiko-Stadt – u. A. bei der Tageszeitung Excélsior -, danach Hamburg, wo sie mehrere Jahre bei der Deutschen Presse-Agentur tätig war, und seit 2006 wieder Mexiko. 2011 hat sie ihren Traum erfüllt und die zweite Deutsche Mexiko-Zeitung aus der Taufe gehoben. Als freie Journalistin hat sie für mehrere Medien in Deutschland geschrieben und ist Autorin mehrerer Bücher, darunter ein Premium-Mexiko-Reiseführer. Auf sie ist das erste Online-Reisemagazin über Mexiko für den deutschsprachigen Markt zurückzuführen (2001), die Mexiko-Travelnews (bis 2013).

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